Langfinger machen niemals Urlaub

Die Urlaubszeit ist für Diebe und Betrüger die schönste Zeit des Jahres. Sie schlagen zu, wenn besonders viele Menschen unterwegs sind. Das verdeutlicht die Zahl der Taschendiebstähle in Deutschland: 2014 stieg die Zahl um 16 Prozent. Die Polizei klärt auf.

Großaufnahme eines Diebstahls
Besonders im Gedränge schlagen Diebe und Betrüger zu. 

Hier sind Profis am Werk

"Insbesondere das Gedränge bei Veranstaltungen, in Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln machen sich Diebe zunutze, um Reisende zu bestehlen", sagt Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Im Jahr 2014 entstand dabei in Deutschland ein Schaden von 45,9 Millionen Euro. Die meisten Fälle bleiben unaufgeklärt. Die Aufklärungsquote betrug 2014 lediglich 5,9 Prozent. "Die Täter sind in der Regel schon längst verschwunden, bis Opfer bemerken, dass der Geldbeutel, das Smartphone oder andere Wertgegenstände gestohlen wurden", ergänzt Klotter. Denn Taschendiebe sind oft professionell agierende, international reisende Täter. Sie sind grenzüberschreitend in ganz Europa aktiv. Betroffen sind dadurch nicht nur deutsche Großstädte, sondern auch andere europäische Metropolen.

Tätern keine Gelegenheit bieten

Jeder Reisende kann mit einiger Vorbereitung und Aufmerksamkeit verhindern, dass er Opfer von Diebstahl oder Betrug wird. "Noch vor Reisebeginn raten wir als Polizei dazu, alle wichtigen Unterlagen wie Ausweispapiere zu kopieren – so sind im Falle eines Falles alle notwendigen Daten schnell zur Hand", rät Klotter. Weitere Empfehlungen für einen sicheren Urlaub:

  • Tragen Sie auf der Fahrt in Ihren Urlaubsort Ihre Zahlungsmittel, Ausweise und Dokumente direkt am Körper.
  • Lassen Sie Ihre Wertgegenstände oder Ausweispapiere nie unbeaufsichtigt liegen – auch nicht im Fahrzeug, wenn Sie z. B. bei einem Stopp an der Tankstelle oder Raststätte nur kurz aussteigen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn Sie auf Parkplätzen auf vermeintliche Schäden an Ihrem Fahrzeug aufmerksam gemacht werden oder Sie jemand bittet, anderen auf Landkarten den Weg zu zeigen. Das können Tricks sein, um Sie und Ihre Begleitung aus dem Wagen zu locken, damit Diebe Wertsachen aus dem Wagen stehlen können.
  • Auch Busreisende sollten bei Tank-, Rast- oder Besichtigungsaufenthalten keinerlei Wertgegenstände im Bus zurücklassen. Es sei denn, der Fahrer oder andere vertrauenswürdige Personen bleiben im Bus, um auf die Sachen zu achten.
  • Bahnreisende sollten ihr Gepäck immer im Auge behalten. Das gilt besonders für Bahnhöfe, denn dort nutzen Diebe selbst die geringste Unaufmerksamkeit (z. B. beim Fahrkartenkauf oder bei Telefonaten), um blitzschnell zuzugreifen.
  • Reduzieren Sie Ihr mitgeführtes Bargeld auf das notwendige Minimum und zeigen Sie anderen möglichst wenig davon.
  • Nutzen Sie unterwegs keinen Geldautomaten, an dem etwas ungewöhnlich erscheint, z. B. angebrachte Leisten oder Verblendungen, abstehende und vor allem lockere Teile, oder Spuren von Kleber rund um den Kartenschlitz.
  • Notieren Sie niemals Ihre PIN irgendwo im Portemonnaie (schon gar nicht auf der Zahlungskarte).
  • Sollten Ihnen Zahlungskarten abhandengekommen sein, lassen Sie diese sofort für den weiteren Gebrauch sperren, z. B. telefonisch über den bundesweiten Sperr-Notruf (0049) 116 116.

Wissen worauf zu achten ist

Mehr Informationen zum sicheren Reisen gibt es im Flyer "Langfinger machen niemals Urlaub". Dieser ist kostenlos in (kriminal-)polizeilichen Beratungsstellen erhältlich oder kann unter www.polizei-beratung.de heruntergeladen werden.

Die bekanntesten Tricks der Taschendiebe sind unter www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps aufgelistet.