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Versicherungen: Unwetter richten immer größere Schäden an

Heftige Regenfälle richten großen Schaden aus. Wer kommt für welchen Schaden auf?

In den vergangenen Wochen gingen in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens immer wieder schwere Unwetter nieder. Kleine Bäche werden dann schnell zu reißenden Fluten, Keller laufen voll und Häuser nehmen Schaden. Die NRW-Landesregierung hat deshalb reagiert und ermöglicht durch Starkregen geschädigten Personen, unbürokratisch noch bis zum 15. Juli Soforthilfen in Höhe von bis zu 5.000 Euro zu beantragen.

Doch häufig kommt auch die Versicherung für entstandene Unwetterschäden auf. Wir haben bei der Verbraucherzentrale NRW umfangreiche Informationen gefunden, welche Versicherung für welche Schäden aufkommt und welche Ereignisse unter Umständen nicht abgedeckt sind.

Schäden am Haus, sprich bei Dach, Fenster oder Keller, können grundsätzlich etwas für die Wohngebäudeversicherung sein. Schäden am Hausrat, also alles, was sich im Haus befindet und nicht fest mit dem Haus verbunden ist und herausgetragen werden könnte, werden ein Fall für die Hausratversicherung. Allerdings sind Schäden durch Überschwemmung und Rückstau nur dann versichert, wenn zusätzlich auch die Absicherung bei Elementarschäden vereinbart ist. Häufig ist dies der Fall, manchmal aber auch nicht. So reicht es also nicht aus, wenn nur die Standardgefahren Feuer, Sturm/Hagel und Leitungswasser mitversichert sind. Schäden an Kraftfahrzeugen durch Überschwemmung und Hagel werden meist von der Kfz-Teilkaskoversicherung abgedeckt.

Unterscheidung der Gefahren

Überschwemmung: Schäden entstehen dadurch, dass ein stehendes oder fließendes Gewässer über die Ufer tritt oder dass ein Grundstück durch starken Regen unter Wasser gesetzt wird.
Rückstau: Nach einem Starkregen kann die Kanalisation die große Regenmenge nicht mehr aufnehmen. Das Wasser sucht sich einen Ausweg und findet den im Keller der nächstliegenden Häuser oder gelangt durch sanitäre Einrichtungen in die Wohnung.

Was ist bei einem Schaden zu tun?

  • Den Schaden mindern, soweit möglich: Wenn einige Ziegel vom Dach geweht wurden, sollte man dieses notdürftig abdichten. Ist der Keller mit Wasser vollgelaufen, sollte schon mit dem Ausschöpfen begonnen werden.
  • Den Versicherer kontaktieren und nach Anweisungen zum weiteren Vorgehen fragen. Beispielsweise wird der Versicherer sagen, ob Verbraucher selbst gleich einen Handwerker beauftragen sollen oder ob er erst jemand vorbeischicken will. Äußerungen des Versicherers sollten Betroffene sich unbedingt auch schriftlich geben lassen.
  • Dokumentieren: Mit Fotos und/oder per Video Schäden möglichst detailliert festhalten. Vorerst keine beschädigten Sachen wegwerfen.
  • Oft wird der Versicherer einen „Regulierer" vorbeischicken, der sich den Schaden anschaut.
    Versicherungsnehmer sollten wissen, dass dies kein unabhängiger Gutachter ist.
  • Reparatur und Beseitigung der Schäden: Um Ärger oder Missverständnisse mit dem Handwerker zu vermeiden, sollte der Auftrag so genau wie möglich erteilt werden. Es ist wichtig, den Auftragsumfang, den Ausführungstermin und die Vergütung verbindlich, am besten schriftlich, zu regeln. Thema Kostenvoranschlag: Auch wenn die Zeit drängt, ist es sinnvoll, mehrere Kostenvoranschläge einzuholen. Diese sollten möglichst detailliert die Leistungen und benötigten Materialien enthalten.

Die vielen Unwetter der letzten Wochen haben gezeigt, wie wichtig es oft ist, dass auch Elementarschäden sowohl in der Wohngebäudeversicherung als auch in der Hausratversicherung mitversichert sind. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass auch die Gefahr Rückstau mitversichert ist. Denn nahezu überall kann es passieren, dass durch Starkregen die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr verkraftet. Auch wenn man vom Unwetter aktuell nicht betroffen ist, sollte man in den Wohngebäude- und Hausratversicherungsbedingungen nachschauen, ob Elementarschäden – inklusive der Gefahr Rückstau – versichert sind. Wer unsicher ist, kann seinen Versicherer anschreiben und sich schriftlich bestätigen lassen, dass Versicherungsschutz besteht.

Wenn der Versicherer den Vertrag kündigt

Nach Informationen der Verbraucherzentrale nutzen Versicherer auch und gerade in wichtigen Versicherungssparten wie der Wohngebäudeversicherung die Möglichkeiten der Kündigung des Vertrags: Im Schadensfall wird den Versicherungsnehmern außerordentlich gekündigt oder sie bekommen die Kündigung zum Ablauf der meist einjährigen Versicherungslaufzeit. Nach einer Kündigung durch den Versicherer hat man oft einen hohen Suchaufwand, um einen gleichwertigen Vertrag bei einem anderen Versicherer abzuschließen. Wenn ein Versicherer droht den Vertrag zu kündigen, sollten Betroffene versuchen auszuhandeln, dass sie stattdessen selbst kündigen bzw. für kurze Zeit eine Selbstbeteiligung oder höhere Prämie akzeptieren. Das kann die anschließende Vertragssuche erleichtern.

Mögliche Schäden durch Unwetter

  • Sturmschäden
    Für Sturmschäden haften beispielsweise Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Allerdings: Stürmisch finden es die Versicherer erst ab Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 km/h. Hat der Sturm Ziegel und Dachpappe mitgehen lassen, müssen Sie dies nicht einzeln nachweisen. Nach den Versicherungsbedingungen reicht es aus, dass es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat und auch Häuser in der Nachbarschaft beschädigt worden sind. Wurde Hausrat zum Spielball des Sturms, sind diese Schäden durch die Hausratversicherung nur abgedeckt, wenn sie während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und beschädigt wurden. Ausnahme: Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören, außen am Gebäude angebracht sind und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt wurden.
  • Schäden durch umgestürzte Bäume
    Ist ein nachweislich morscher Baum umgestürzt und hat Haus oder Auto beschädigt, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen. Meist stellt sich die Beweislage in solch einem Fall jedoch als sehr schwierig dar, wenn dies durch einen Sturm passiert. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als „höhere Gewalt" ‒ und der Eigentümer haftet nicht für den Schaden.
  • Schäden durch Schnee
    Bricht ein Hausdach unter der Schneelast, steht man finanziell nur mit einem zusätzlich zur Gebäudeversicherung abgeschlossenen Schutz gegen Elementarschäden gut da.
  • Schäden durch Regen
    Überflutet Dauerregen Keller, beschädigt Wände und Inventar, dann hilft allein die Police gegen Elementarschäden. Denn Gebäudeversicherungen haften nicht für Schäden durch eindringendes Wasser. Allerdings: Bei diesem Zusatzschutz wird zumeist eine Selbstbeteiligung vereinbart – häufig in Höhe von zehn Prozent der Schadenssumme.
  • Schäden durch Blitzschlag
    Schlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt der Gebäudeversicherer für Schäden am Gebäude auf. Schäden durch Überspannung werden schon bei Spuren eines Blitzschlags an Sachen auf dem versicherten Grundstück oder am Gebäude ersetzt. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine zusätzliche Klausel, die sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Dies gilt ebenso für die Hausratversicherung.
  • Schäden durch Hagel
    Sorgen faustgroße Hagel-Brocken für Schäden beispielsweise an Dach, Wintergarten, Fenster oder Rollläden, dann tritt der Gebäudeversicherer ein. Trifft es Autos, dann haftet die Teilkaskoversicherung.

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