
Gartenberater

Dipl.-Ing. Architektin
Eine extensive Begrünung gilt als pflegeleichte Variante der Dachbegrünung. Geübte Handwerker bauen ein extensives Gründach sogar in Eigenregie auf ihre Garage. Der Lohn ist ein gutes Mikroklima sowie ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Was also macht diese Form der Begrünung aus? Das sollten Sie wissen, bevor Sie loslegen.
© miss_mafalda – stock.adobe.comEs gibt in der Regel zwei Formen der Dachbegrünung, wobei die extensive Begrünung eine pflegeleichte Variante meint. Pflegeleicht wird die extensive Begrünung durch die Auswahl und Zusammenstellung von robusten Pflanzen – werden Sedum-Arten verwendet. Außerdem ist eine leichtere und weniger dicke Substratschicht auf dem Dach kennzeichnend für ein extensiv begrüntes Dach.
Ein extensiv Gründach muss nicht begehbar sein, es pflegt sich praktisch von selbst. Die Aufbauhöhe für die Pflanzschicht sollte idealerweise zwischen 6 und 15 Zentimeter liegen. Die Dachbepflanzung, die aus kleinen, niedrigen trockenheitsresistenten Pflanzen besteht, kann gut mit Wassermangel und Hitze umgehen.
Für ein Dach, das im Nachhinein extensiv begrünt wird, braucht es in der Regel keine gesonderte Baugenehmigung. In Deutschland sind etwa 80 Prozent der Dachbegrünungen extensiv bepflanzt. Häufig werden Garagen- und Flachdächer als extensive Gründächer bevorzugt. Grundsätzlich ist aber auch ein Schrägdach für die Art der Bepflanzung geeignet.
Zur Planung einer Dachbegrünung gehören auch die Prüfung und gegebenenfalls die Erneuerung der Dachabdichtung, die Installation von Randstreifen und Windsogsicherung, eine funktionierende Entwässerung sowie der Schutz aller Lüftungsöffnungen.
Kosten-Fazit: Da sich ein extensiv begrüntes Dach quasi von allein pflegt, kostet der Unterhalt nichts. Einmal pro Jahr ist eine Begehung du Kontrolle angebracht. Es kann auch erforderlich sein, zu jäten und nachzusähen.
Die Kosten für den Aufbau belaufen sich pro Quadratmeter – je nach Quelle – zwischen 30 und 60 Euro pro Quadratmeter. Durch eine Förderung, die fast jede Kommune in NRW anbietet, kann man unter bestimmten Bedingungen bis zu 50 Prozent der Kosten einsparen.
Tipp: Die Investition in ein extensiv begrüntes Flach-Dach lohnt sich auch dann, wenn Sie zunächst etwas Geld in die Hand nehmen müssen. Ein Dach mit Kiesbelag mag günstiger sein, muss aber bereits nach 15 bis 20 Jahren erneuert werden. Ein extensives Gründach hält bei regelmäßiger Pflege bis zu 40 Jahre lang und fördert ein gutes Mikroklima.
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Tipp: Es gibt mittlerweile Komplettpakete mit extensiven Dachgrün zu kaufen. Diese vorgefertigten Elemente werden dann in Eigenregie oder mit Hilfe eines Fachmanns auf das Flachdach aufgebracht.
Der grundsätzliche Aufbau eines Gründaches folgt – egal ob üppig oder weniger – immer einem bestimmten Schema mit etwa sechs verschiedenen Schichten. Im Wesentlichen macht die Art der Pflanzen und die Substrathöhe den Unterschied.
Die Dachneigung spielt für die Auswahl der Materialen ebenfalls eine Rolle. Besonders geneigte Dächer müssen den Wasserabfluss mit der Höhe der Substrat-Schichten und der Auswahl der Pflanzen sowie des Materials steuern, sowie Drainage-Elemente gut auswählen.
Bei stärkeren Dachneigungen sind Rutschsicherungen mit einzuplanen. Eine Bepflanzung ist bis zu einem Neigungswinkel von 45 Grad möglich.
Der Aufbau einer extensiven Dachbegrünung: Diese Schichthöhen und Pflanzen sind notwendig

Der Aufbau der extensiven Dachbegrünung im Querschnitt

Tipp: Wer im Detail-Aufbau auf Nummer sicher gehen will, der sollte sich die sogenannte Dachbegrünungsrichtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FFL) für Planung, Aufbau und Instandhaltung zulegen. Diese umfassende Anleitung ist kostenpflichtig und kann auf der Seite im Shop der Forschungsgesellschaft bestellt werden.
Das Gewicht eines extensiven Gründaches variiert nach der Bepflanzungsart, Dachneigung und Aufbauhöhe. Zudem ändert sich die Traglast je nach trockenem oder nassem Zustand.
Die meisten Quellen geben für eine wassergesättigte extensive Dachbegrünung auf Flachdächern folgende Kennzahlen an: Pro Quadratmeter sollten diese eine zusätzliche Traglast von 50 bis 170 Kilogramm tolerieren.
In den meisten Fällen ist ein gängiges Bestands-Garagendach in der Lage zusätzlich eine maximale Traglast von bis zu 150 Kilogramm auszuhalten. „Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt es sich die Traglast zu überprüfen“, sagt Architektin Friederike Hollmann van-Kempen. Die Traglast des Daches ist in der Regel in den statischen Berechnungen/Statik vermerkt.
Bei neuen Carports ist die Traglast des Daches in der so genannten Typenstatik vermerkt. Meistens wird ein extensives Gründach bereits bei einem Carport mitgeplant – und ist dann entsprechend der Traglast ausgerichtet.
Vorsicht ist geboten bei bestimmten älteren Baustoffen auf dem Flachdach: „Wer ein unsaniertes Dach mit Faserzementwellpappen aus den Baujahren vor 1993 hat, der darf das wegen möglicher Asbestbefahr auf keinen Fall bebauen“, sagt Friedrike Hollmann-van Kempen, Architektin im Verband Wohneigentum NRW.
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