Lärm in der Nacht: Was gilt und wie messen?

Eine häufig gestörte Nachtruhe kann zum gesundheitlichen Problem werden. Aber was ist Lärm? Und wann ist was zu laut? Wichtig ist es, den Lärm richtig zu messen. Dennoch gibt es Lärmquellen, gegen die man auch nachts machtlos ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kinderlärm ist tag und nachts hinzunehmen.
  • Lärm-Grenzwerte werden nach Gebieten unterschiedlich beurteilt.
  • Nachtruhe ist in reinen Wohngebieten am strengsten geregelt. Um Lärm richtig zu messen, müssen gewisse Standpunkte eingehalten werden.
  • Die Nachtruhe kann bei Großereignissen zwischenzeitlich außer Kraft gesetzt werden.
  • Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro belegt werden.

 

Schallpegelmessgerät in der Hand  © mpix-foto – stock.adobe.com
Wie laut ist das denn? Mit einem Schallpegelmessgerät lässt sich Lautstärke messen.  

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kinderlärm ist tag und nachts hinzunehmen.
  • Lärm-Grenzwerte werden nach Gebieten unterschiedlich beurteilt.
  • Nachtruhe ist in reinen Wohngebieten am strengsten geregelt. Um Lärm richtig zu messen, müssen gewisse Standpunkte eingehalten werden.
  • Die Nachtruhe kann bei Großereignissen zwischenzeitlich außer Kraft gesetzt werden.
  • Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 5.000 Euro belegt werden.

 

Diese Regeln gelten allgemein zum Thema Lärm in der Nachbarschaft

  • Kinderlärm ist laut diverser Rechtsurteile (auch nachts) hinzunehmen.
  • Laut Definition ist ein dauernder Schalldruck von über 65 dB (A) gesundheitlich bedenklich. Das entspricht Straßenlärm tagsüber. Die Sprachlautstärke liegt etwa bei 50 dB (A).
  • Ruhezeiten wie die Nachtruhe sind deshalb gesetzlich vorgeschrieben.
  • Nachtruhe gilt in NRW in der Zeit von 22 bis 6 Uhr (§ 9 LImSchG NRW), Sonn- und Feiertag gilt die Ruhezeit ganztags von 0 bis 24 Uhr.
  • Eine Mittagsruhe ist nicht einheitlich geregelt.
  • In reinen Wohngebieten darf es nachts nicht lauter als 35 dB (A) sein

 

Welcher Lärm ist in welcher Umgebung noch erlaubt?

Eins vorneweg: Kinderlärm - also Geschrei, Toben, Stampfen, Spielen – ist in der näheren Umgebung hinzunehmen. Laut Gesetzgeber gehört Lärm und Geschrei zur kindlichen Entfaltung und ist deshalb in der Regel zu dulden. Ob im Haus, im Garten, im Treppenhaus oder auf dem Spielplatz. Selbst die strikte Nachtruhe ist mit Kindern kaum einzuhalten. Natürlich sind Eltern nachts aufgefordert, ihre Kinder möglichst zur Ruhe zu bringen. Aber das ist in der Praxis nicht immer einfach – und rechtlich als geplagter Nachbar auch schwer durchzusetzen. Ansonsten ist die Lärmwahrnehmung sehr individuell, für den einen ist eine Gruppe im Garten schon zu laut, der andere nimmt das nur als Hintergrundgeräusch war. Starker Dauerlärm über 75 Dezibel kann jedoch die Ohren nachhaltig schädigen, Schlaf rauben und Stress verursachen. Die Einhaltung der Nachtruhe ist in unserem lauten Alltag eine der wichtigsten Vorschriften, um den Menschen Zeit zur Erholung vom Lärm zu geben. Lärm wird vom Gesetzgeber oft von drei Seiten betrachtet:

  • Wo findet Lärm statt? (Umgebung)
  • Wann findet Lärm statt? (Uhrzeit)
  • Wie laut ist das Geräusch? (Dezibel und Gesundheitsgefährdung)

Logischerweise gehört stärkerer Umgebungslärm in Industriegebieten zum Alltag, während in Wohngebieten mehr Ruhe wünschenswert ist. Tatsächlich regeln diverse Gesetze, welche Lärm-Grenzwerte in welchem Gebiet noch zulässig sind. Eine Art Richtschnur ist die sogenannte TA-Lärm (technische Anleitung). Die hat die Funktion, die Allgemeinheit und Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche zu schützen.


Die TA-Lärm soll auch dafür sorgen, dass solche Beeinträchtigungen erst gar nicht geschehen. Ein weiteres wichtiges Gesetz, dass sich mit Grenzwerten von (Schall)Immissionen beschäftigt ist das so genannte LImSchG nrw.


Da die meisten Hausbesitzer in Wohngebieten wohnen, ist die folgende Gebietsunterteilung und ihre Lärm-Grenzwerte für sie relevant.

  • in Kern-, Dorf- und Mischgebieten (Mischgebiet: Gewerbe und Wohnen): tags 60 dB(A) – nachts 45 dB(A)
  • in allgemeinen Wohn- und Kleinsiedlungsgebieten: tags 55 dB(A) – nachts 40 dB(A)
  • in reinen Wohngebieten: tags 50 dB(A) – nachts 35 dB(A)
  • in Kurgebieten, für Krankenhäuser /Pflegeanstalten: tags 45 dB(A) – nachts 35 dB(A)

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte am Tage um nicht mehr als 30 dB(A) und in der Nacht um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.

Wo messe ich die Lautstärke am besten?

Sie haben das Gefühl, in ihrer Umgebung ist es dauerhaft zu laut? Sie fühlen sich gestört von der Wärmepumpe des Nachbarn? Sie finden die Gartengeräte zu laut? Über Gartenlärm und seine Grenzen lesen Sie mehr in unserem Artikel „Lärmbelästigung im Garten“.  Wenn Sie also ein Problem mit Lärm in der Nachbarschaft haben, dann sollten Sie eine Messung vornehmen. Hierbei ist es wichtig, dass Sie den richtigen Platz ansteuern, von wo Sie messen. Ansonsten können die Werte im schlimmsten Fall vor Gericht in Zweifel gezogen werden.


Der geeignete Punkt der Lärmmessung nennt man auch maßgeblicher Immissionsort. Es ist der Ort, für den die Geräuschbeurteilung nach der TA-Lärm vorgenommen wird. Danach sind drei unterschiedliche Orte definiert worden:

  • Beispiel 1 (bebaute Fläche/Gebäude): Ins Schlafzimmer dringt ständig Lärm aus dem Außenbereich. Gemessen wird außerhalb 0,5 Meter vor der Mitte des geöffneten Fensters des vom Geräusch am stärksten betroffenen schutzbedürftigen Raum (Schlafzimmer in diesen Fall).
  • Beispiel 2 (halb bebaut, kein Schutzraum im Sinne eines Gebäudes): Auf der überdachten Terrasse Ihres Gartens ist es aufgrund von Geräuschen aus dem Nachbargrundstück oft sehr laut. Hier messen Sie an dem am stärksten betroffenen Rand der Fläche. In diesem Fall die Terrasse. Das kann auch eine Sauna im Garten sein, wenn diese 3 Meter Abstand zur Gartengrenze hat. Dann messen Sie vom Rand der Sauna aus.
  • Beispiel 3 (Anlage, die mit einem Gebäude verbunden ist): Als Bewohner einer Doppelhaushälfte fühlen Sie sich permanent von den tieffrequenten Geräuschen der Pool-Umwälzungs- oder Wärmepumpe Ihres Nachbarn gestört.  Hier messen Sie Geräusche in dem am stärksten betroffenen schutzbedürftigen Raum. Das ist meist das Schlafzimmer.

In Innenräumen von Gebäuden gelten folgende Imissionswerte:
Das bezieht sich auf Aufenthaltsräume, soweit dort nicht aus der Nutzung ständig starke Geräusche erzeugt werden. Der Schutz gilt gegenüber Schalleinwirkungen aus fremden Räumen (andere Wohnungen, Treppenhäuser, Außenbereiche etc.).

  • tagsüber: 35 dB(A)
  • nachts: 25 dB(A)

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte um nicht mehr als 10 dB(A) überschreiten. Leider gibt es keine Definition dahingehend, über welchen Zeitraum eine kurzfristige Geräuschspitze andauern darf. Dieses ist je nach Einzelfall und Zumutbarkeit zu beurteilen.      

 

Kann ich selbst Lärm messen?

Ja das können Sie. Mittlerweile gibt es sogar Apps, die Lärm messen. Doch die sind nicht so sicher wie klassische Schallpegelmessgeräte. Apps können nicht so gut ganz leise oder ganz laute Geräusche erfassen. Da sind die Schallpegelmessgeräte deutlich differenzierter. Die sind in der Regel leicht zu bedienen und man kann sie Internet kaufen. Gängige Modelle gibt es zwischen 30 und 180 Euro, einige mit Stativ, die preiswerteren meist ohne.  Sie können auch einen Experten zum Lärmmessen anfragen. Das kann ein Fachmann für Akustikmessung sein. Hier finden sich ebenfalls zahlreiche Anbieter im Internet.  

Wenn Sie messen, dann sollten Sie am besten ein Lärmprotokoll aufsetzen. Es ist zwar nicht zwingend notwendig ein solches Schriftstück vorzulegen, dennoch kann ein Lärmprotokoll im Zweifel bei Rechtsstreitigkeiten eine gute Unterstützung sein. Dokumentieren Sie mindestens

  • Datum
  • Länge der Ruhestörung
  • Was für Lärm
  • Dezibel
  • Wo hat der Lärm stattgefunden?
  • Wer war möglicher Verursacher?
  • Wie hat der Lärm sich ausgewirkt (Schlafstörung, kein TV sehen möglich, Fenster musste geschlossen sein) ?
  • Gibt es Zeugen?
  • Unterschrift

 

Häufige Fragen zum Thema Lärm

Was sind die genauen Zeiten der Nachtruhe in Nordrhein-Westfalen?

Wie laut darf ich an Sonn- und Feiertagen sein?

Gibt es Ausnahmen von den Regeln zur Nachtruhe in bestimmten Situationen oder Orten?

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen gegen die Regeln zur Nachtruhe in NRW?

Welche Institutionen sind zuständig, um Beschwerden über Lärmbelästigung während der Nachtruhe entgegenzunehmen?

Wer legt fest, was in der Kommune an Lärm erlaubt ist?