Gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland seien die Auswirkungen dramatisch: „Allein auf bislang ungenutzten Dächern von Wohngebäuden könnten in NRW noch bis zu 20 Millionen Solarmodule installiert werden. Das entspricht einer Fläche von 1.500 Fußballfeldern, auf der theoretisch Sonnenstrom für mehr als 10 Millionen Dreipersonenhaushalte produziert werden könnte“, erklärt Koch mit Verweis auf eigene Berechnungen auf Basis des vom LANUK herausgegebenen Energieatlas NRW. Der Verband Wohneigentum, der in NRW über 125.000 selbstnutzende Wohneigentümer vertritt, fordert deshalb eine Fortführung der Einspeisevergütung.
Seit Jahresbeginn gilt in NRW: Wer das Dach eines Wohngebäudes erneuert, muss auch eine PV-Anlage installieren. Obwohl das Gesetz zur NRW-Solarpflicht schon lange bekannt ist, sind in der Praxis bis heute viele Details unklar. „Wir merken in unserer Beratung, dass viele Fragen in der Anwendung noch nicht eindeutig beantwortet werden können“, berichtet der Geschäftsführer des NRW-Landesverbands. Jetzt komme weitere Verunsicherung hinzu. Denn die Verhandlungen über die Novelle des EEG kämen in eine kritische Phase. Spätestens im Juli will das Bundeskabinett über die Zukunft der Einspeisevergütung entscheiden. Nach Willen des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Förderung für privaten PV-Strom ab 2027 abrupt eingestellt werden.
Das Urteil zu den Plänen fällt beim Verband Wohneigentum deutlich aus: „Das wäre ein fataler Rückschritt“, kommentierte die Bundesgeschäftsführerin des Verband Wohneigentum, Verena Örenbas, bereits bei Bekanntwerden der Pläne im Februar. „Man kann nicht wie in NRW auf der einen Seite private Investitionen in die Energiewende zur Pflicht machen und sich auf der anderen Seite aus der Verantwortung stehlen“, ergänzt der Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Landesverbands Jan Koch mit Blick auf die NRW-Solarpflicht. Setzte die Bundesregierung tatsächlich den Förderstopp für kleine PV-Anlagen um, mache das die Investition in erneuerbare Energien für viele private Wohneigentümer deutlich unattraktiver: „Es dauert ohne Einspeisevergütung länger, bis sich Solaranlagen amortisiert haben. Besonders betroffen wären Anlagen mit einem niedrigen Eigenverbrauch – zum Beispiel, wenn Nutzer mit wenig Stromverbrauch eine große PV-Anlage planen“, erklärt Koch.
Das sei nach Meinung des Experten jedoch nicht das größte Problem: „Auch ohne Einspeisevergütung sind Solaranlagen eine gute Investition für private Wohneigentümer – aus wirtschaftlicher Sicht wird dann aber meist ein Stromspeicher notwendig. Am besten nutzt man zusätzlich eine Wärmepumpe oder ein E-Auto. Und genau hier liegt das Problem: Nur wenige können sich so große Investitionen auf einen Schlag leisten. Fällt die Einspeisevergütung weg, steigt die finanzielle Einstiegshürde für private PV-Anlagen“, erklärt Koch. Dabei wirke die Solarenergie – im positiven Sinne – wie eine „Einstiegsdroge“ in die Energiewende in den eigenen vier Wänden, berichtet Koch. Er befürchtet: „Ein Förderstopp für private PV-Anlagen wird eine Kettenreaktion auslösen und viele Folgeinvestitionen behindern.“ Aus den Beratungen seiner Mitglieder in Nordrhein-Westfalen weiß er jedenfalls: „Ein Förderstopp für private PV-Anlagen kombiniert mit der NRW-Solarpflicht: Das sorgt für Frust!“