© Verband Wohneigentum NRW e.V.Barrierearm wohnen: Das Zuhause rechtzeitig fit für die Zukunft machen
Friederike Hollmann-van Kempen, Bauberaterin im Verband Wohneigentum NRW, zeigt im Interview Maßnahmen für ein barrierearmes Haus auf und welche…

Dipl.-Ing. Architektin
Den eigenen Sonnenstrom produzieren und mit einem begrünten Dach das Mikroklima verbessern – besser geht es doch nicht! Die Kombination aus Photovoltaik und Gründach hat viele Vorteile. Auf was Sie im Vorfeld achten müssen und warum ein Solar-Gründach sogar die Stromproduktion steigert, erfahren Sie in unserem Artikel.
© René Notenbomer – stock.adobe.comSie haben ein (Flach)dach, das Sie sanieren? Dann ist die Kombination aus Photovoltaik und Dachbegrünung eine gute Lösung. Es gibt hier viele Synergieeffekte – ökologisch und ökonomisch. Das sind die Gründe:
Die Photovoltaikanlage mit einem begrünten Dach funktioniert, indem man diese beiden Systeme miteinander kombiniert. Dazu wird das Dach mit einer – in der Regel – extensiven Dachbegrünung versehen.
Darauf wird dann eine PV-Anlage errichtet. Die PV Anlage kann mit einer Unterkonstruktion auf dem Dach montiert werden. Oder sie wird auf einer sogenannten auflastgehaltenen Unterkonstruktion angebracht, die durch ihr Eigengewicht die Standsicherheit gewährleistet. Diese Lösung funktioniert ohne mechanische Verankerungen im Dach. Während die Pflanzen die Umgebung kühlen, sammeln die PV-Module über das Sonnenlicht Energie. Diese Kombination funktioniert deutlich besser als ohne Gründach.
Tipp: Unser Kooperationspartner Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) bietet für unsere Mitglieder zu einem Vorteilspreis von 15 Euro einen Photovoltaik-Kurzcheck an.
Der Vorteil eines Solar-Gründaches liegt in der Kombination aus zwei erprobten hoch funktionalen Systemen. Das Gründach bietet ökologische, bauliche und steuerliche Vorteile, die Photovoltaikanlage ist eine erneuerbare Energiequelle zur Stromgewinnung – womit sich langfristig Geld verdienen oder zumindest Stromkosten sparen lassen. Es steigert außerdem den Wert der Immobilie, erleichtert das Regenwassermanagement, ist steuerlich begünstigt und leistet einen wertvollen Betrag zur Energiewende.
Tipp: Schauen Sie nach, ob ihr Hausdach für eine Solaranlage geeignet ist. Das können Sie in NRW am besten, indem Sie online den Energieatlas Nordrhein-Westfalen nutzen. Dort finden Sie ein Solarkataster, das Ihnen durch Abfrage der Adresse eine Einschätzung gibt, ob Ihr Wohneigentum in der Ausrichtung für eine Solaranlage geeignet ist.
Viele wissen nicht, dass zu viel Hitze die Leistung der Kollektoren schwächt. Da hat das Solar-Gründach eindeutig Vorteile, denn die kühlende Wirkung der Pflanzen sorgt für eine verbesserte Leistung und Funktion der PV-Anlage insgesamt.
Experten der Berliner Regenwasseragentur haben die Leistungssteigerung einer kombinierten Solaranlage berechnet: „In Kombination mit einem Gründach kann sich ihre Leistung im Jahresmittel um bis zu 4 Prozent erhöhen - abhängig u. a. von Standort, Sonneneinstrahlung, Pflegezustand und Art der Dachbegrünung.“ Das heißt: Die Kühlung führt entsprechend zu höheren Stromerträgen.
Wer eine Kombination von Gründach und PV-Anlage wählt, der profitiert auch davon, dass das Dach durch die Begrünung länger hält. In der Regel sind einfache Flachdächer mit einfacher Bahnenabdichtung nach etwa 15 bis 20 Jahren sanierungsbedürftig. Ein Gründach kann dagegen mindestens doppelt so lang halten. Es sollte allerdings regelmäßig überprüft und gepflegt werden.
Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren. Die gängigsten sind so genannte Aufständerungssysteme. Hierbei werden die Solarmodulreihen auf dem begrünten Dach in gebührenden Abstand zueinander auf Ständer- oder Trägersysteme verschraubt. Der Abstand ist notwendig, um die Pflege der Begrünung zu ermöglichen und zu viel Schatten zu verhindern.
Die Trägersysteme sind für unterschiedliche Sonnenausrichtungen und Winkel ausgelegt. In der Regel werden die Module nach Süden in einem Winkel zwischen 15 und 30 Grad aufgeschraubt.
„Zwischen den Modul- bzw. Kollektorreihen sollten bei einer Südausrichtung mindestens 80 Zentimeter Platz sein, damit Solaranlage und Dachbegrünung instandgehalten und gepflegt werden können,“ raten Experten von der Berliner Regenwasseragentur.
Weitere Möglichkeiten einer Kombination aus PV- und Gründach: Man errichtet eine Art Pergola bestückt mit Solarsystemen auf dem begrünten Dach. Darunter kann man sitzen und das begrünte Dach als Aufenthaltsfläche nutzen. Oder man setzt Gründach und Solarsystem getrennt voneinander auf das Dach.
Tipp: Zahlreiche Firmen bieten die Kombination aus Gründach und Solaranlage als Gesamtpaket an. Einige haben sich den Aufbau der Schichten für das extensive Gründach, der Drainagen und der Aufständerung als eine Art Stecksystem patentieren lassen. Sehen Sie sich im Netz Videos dazu an, stellen Sie Anfragen an die erfahrenen Firmen und vergleichen Sie die Angebote. Nutzen Sie mögliche Förderungsgelder.
Eine Kombination von PV-Anlage und Gründach ist eine statische Herausforderung für jedes Dach. Das Gewicht der Dachbegrünung sowie der Aufständerungen erfordert eine höhere Traglast. Außerdem muss das gesamte Konstrukt windigen Situationen standhalten.
„Planen Sie derartige aufwändigen Dachsanierungen entsprechend nur mit einem Experten zusammen“, rät Friederike Hollmann- van Kempen, Bauberaterin beim Verband Wohneigentum NRW. Ob das Dach den Anforderungen entspricht, das können Statiker einschätzen. Meist sind das Bauingenieure, die die Traglast von Dächern überprüfen.
Der Einsatz eines Statikers kostet für eine einfache Dachlastprüfung zwischen 300 und 1.500 Euro. Allerdings sind zahlreiche Angebote für die Installation inklusive einer Vorprüfung der Dachstatik.
Die Kosten für ein Solar-Gründach hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Etwa von der Art der Begrünung (extensiv oder intensiv), von der Größe und Art der Solaranlage.
Hat die PV-Anlage noch eine Batteriefunktion ist sie teurer als ohne diese Funktion. Ist die Begrünung einfach mit Sedum, Gras und Moosen ist sie preiswerter als bei einer intensiven Form mit Stauden, Büschen und Blumen.
Deshalb ist die Frage nach den Kosten sehr individuell nach Projekt zu beurteilen. Hier ein Beispiel vom Solaranlagen-Portal – einer bundesweit tätigen Agentur für die Vermittlung von Solaranlagen-Projekten. Die Berechnung ist demnach folgendermaßen:

Fazit: Sie müssen 7.500 bis 9.000 Euro investieren, haben dafür aber ein komplett begrüntes Dach und können einen hohen Anteil Ihres Stromverbrauchs mit Solarenergie abdecken. Die Anschaffung finanziert sich am besten durch einen hohen Eigenverbrauch und über mögliche Fördergelder für das Gründach.
Eine gezielte Förderung für die Kombination aus Solaranlage und Gründach gibt es so in NRW nicht. Dennoch lassen sich die einzelnen Bestandteile PV-Anlage, Begrünung des Daches und Batteriespeicher einzeln über verschiedene Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen fördern. Leider sind die Fördermittel besonders im Bereich der Solarenergie stark rückläufig.
Theoretisch mögliche Förderungen:
Über die derzeit (Stand 2026) geltenden Fördermittel für Gründächer in NRW lesen Sie in unserem Artikel. Über die aktuell (Stand 2026) sinkenden Förderzuschüsse für Solaranlagen und den möglichen Wegfall der Einspeisevergütung für neue Anlagen lesen Sie in unserem Artikel.
Fazit: Förderungen für Gründächer gibt es in NRW über kommunale und regionale Programme. Diese sind zum Teil sehr gut ausgestattet. Förderungen für Solaranlagen laufen aus oder werden reduziert. Programme wie progress.nrw zur Förderung erneuerbarer Energie in NRW wurden 2025 eingestellt.
Die Einspeisevergütung für selbst erzeugten Solarstrom wird zurückgefahren. Eine Vergütung für Strom-Selbsterzeuger soll neu geregelt werden. So sollen Eigenheimbesitzer ihren selbst erzeugten Strom über die Strombörse und dynamische Tarife selber organisieren.
Unsere Expertin
Dipl.-Ing. Architektin