Stecker-Solargeräte: Strom einfach selbst machen?

Stecker-Solargeräte sind bei Eigentümern (und Mietern) ein gefragtes Thema: Muss man Sie einfach nur an die Steckdose anschließen oder braucht es für die Inbetriebnahme einen Handwerker, wie funktioniert die Anmeldung, was ist der Unterschied zu herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen und wann rechnet sich die Anschaffung?

Haus mit Stecker-Solarpanels an allen Balkonbrüstungen  © Rüdiger Brechler, DGS NRW
Stecker-Solargeräte (zum Beispiel für den Balkon) sind eine beliebte Art der Solarstromerzeugung. 

Die auch als Balkonkraftwerke, Mini-Solaranlagen oder Guerilla-PV bekannten Stecker-Solargeräte sind eine immer beliebter werdende Art der Solarstromerzeugung. Unser Kooperationspartner, der Landesverband NRW der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, fasst wichtige Informationen zusammen.

Mehr als 100.000 Geräte sind in Deutschland in Betrieb

Seitdem 2018 die technischen Normen den Anschluss und Betrieb dieser Art der Solarstromerzeugung geregelt haben, dürften auch in Deutschland mehr als 100.000 Stecker-Solargeräte in Betrieb sein. Gekauft werden sie oft über den Online-Handel. Zum Anschluss dieser „Plug & Play“-Geräte ist die Beauftragung eines Elektrikers nicht zwingend notwendig. Sie empfiehlt sich aber, wenn man unsicher ist.         

Bis 600 Watt einfach beim Stromnetzbetreiber anmelden

Für die Nutzung erforderlich ist eine Anmeldung beim örtlich zuständigen Stromnetzbetreiber auf einem meist einseitigen Formular. Dies ermöglicht die aktuelle Fassung der Anwendungsregel VDE-AR-N 4105. Diese Vereinfachung gilt nur für Stecker-Solargeräte mit einer Leistung von maximal 600 Watt. Entscheidend ist dabei die Leistung des Mikrowechselrichters.

Bei senkrechten Einbaulagen (z.B. an Wänden, Balkonen oder bei der Montage „ums Eck“) darf die Summe der Einzelleistungen der Solarmodule mit beispielsweise einem Spitzenwert von 800 bis 900 Watt durchaus höher sein. Wichtig ist allein die maximale Einspeiseleistung. Diese darf bei einer vereinfachten Anmeldung 600 Watt nicht überschreiten.

Eigenverbrauch von 15 bis 25 Prozent bei „klassischen“ Photovoltaik-Anlagen

Bei herkömmlichen, netzgekoppelten Photovoltaikanlagen sind Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad wichtige Kenngrößen. Übliche Werte bei Photovoltaikanlagen mit 5 bis 10 Kilowatt peak installierter Leistung auf Einfamilienhäusern ohne Batteriespeicher sind Eigenverbrauchsquoten von 15 bis 25 Prozent und Autarkiegrade zwischen 30 bis 35 Prozent.

Was bedeuten die Abkürzungen kWp und kWh?
Kilowatt-Peak (kWp) sind ein Maß für die Leistung einer Photovoltaikanlage. Kilowattstunden (kWh) geben die durch die Anlage erzeugte Strommenge an. Mit 1 kWp lassen sich rund 1.000 kWh Solarstrom pro Jahr erzeugen.

Stecker-Solargeräte sind für 80 bis 100 Prozent Eigenverbrauch gedacht

Stecker-Solargeräte mit einer Leistung von höchstens 0,6 Kilowatt peak sind dagegen für den möglichst vollständigen Eigenverbrauch konzipiert. In das Stromnetz eingespeister Überschussstrom wird bei diesen Anwendungen meist nicht nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet. Dadurch kann eine Anmeldung beim Finanzamt entfallen. Die Eigenverbrauchsquoten von Stecker-Solargeräten liegen daher bei 80 bis 100 Prozent, die durchschnittlichen Autarkiegrade aufgrund der begrenzten Leistung bei 10 bis 15 Prozent.  

Wie schnell rechnet sich die Investition?

Bei Investitionen von durchschnittlich 500 Euro für ein kleines Stecker-Solargeräte-Set, bestehend aus

  • einem Solarmodul mit etwa 300 Watt peak,
  • einem Mikrowechselrichter mit 300 Watt
  • Befestigung bzw. Aufständerung und 5 Meter Anschlussleitung

und einem jährlichen Ertrag von 240 Kilowattstunden Solarstrom, werden pro Jahr bei einem Strompreis von 30 Cent für die Kilowattstunde rund 72 Euro eingespart.

Ohne die Berücksichtigung zukünftiger Strompreissteigerungen rechnet sich das Solarstecker-Gerät somit nach etwa sieben Jahren (Investition 500 Euro, geteilt durch Einsparungen: 72 Euro pro Jahr).

„Plug & Play“-Konzept sorgt für die Wirtschaftlichkeit           

Eine gute Wirtschaftlichkeit wird vor allem durch das „Plug & Play“-Konzept erreicht. Also durch die grundsätzlich erlaubte Anschlussmöglichkeit durch technische Laien. Wird ein Fachhandwerker mit der Verlegung einer zusätzlichen Außensteckdose oder zum Einbau einer „speziellen Einspeisesteckdose“ beauftragt, kann die Rechnung anders aussehen.    

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie sowie per E-Mail oder telefonisch über die Geschäftsstelle des Landesverbandes NRW der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (Tel. 0251 – 13 60 27).

Autor:
Rüdiger Brechler, Landesverband NRW der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.